Archiv für April, 2012

deadmau5“ – (pseudo) Personal Branding in der Musikindustrie

deadmau5 – ein aus Kanada stammender Künstler, Produzent und DJ (more Infos).
Er begann um 2002/2003 (Discographie) unter diesem Namen zu produzieren und veröffentlichen – vorwiegend aus dem Bereich des Progressive House und Electro. Unter anderem musikalisch beeinflusst von Glenn Morrison entstanden so aus der Feder von Joel Zimmerman (bürgerliche Name) Welterfolge wie „Arguru„, „Not Exactly“ oder „Ghost ’n‘ Stuff„. Zudem tourt er seit geraumer Zeit mit einer aufwendig gestalteten und beeindruckenden Liveshow (siehe Fotos auf dem Cube) durch die ganze Welt.

…also an sich erst mal nur eine Person.

Spätestens seit seinem Einstieg in die ersten Zehn der DJ Top 100 im Jahr 2009 ist der weltweite Erfolg nicht mehr abzustreiten. Und so machten sich eine handvoll PR- und Marketingspezialisten daran einen gewissen Mehrwert zu erschaffen. Aus deadmau5 dem Produzenten und DJ wurde eine Marke, ja schon fast ein Universum – mit Joel als Aushängeschild. Es embehrt nicht einer gewissen Ironie, dass eigentlich er selbst schon damit 2008 begann – mit der Gründung des Labels mau5trap (2008). Die grossen Plattenfirmen wurden schnell auf das kanadischen Talent aufmerksam und erkannten das finanzielle Potenzial. Natürlich wollten sich alle etwas vom grossen Kuchen abschneiden. So veröffentlichte Virgin Rec. 2009 sein Album „For Lack Of A Better Name“ und 2010 erschien das Album „4 x 4 = 12“ auf EMI (Hinweis: Virgin gehört seit 1992 zu EMI). Singles und EPs werden weitestgehen über maus5trap selbst released.

Bei deadmau5 ist den Beteiligten eine interessante Gradwanderung gelungen, und mit Sicherheit nicht zuletzt durch Joel selbst: Man sieht auf dem nachfolgenden Screenshot unten rechts alle Social-Network-Kanäle, die offiziell für deadmau5 genutzt werden.

Quelle: deadmau5.com (screenshot landing page)

Nun würde man ja vermuten, dass bei solchen Dimensionen in dem sich das Mau5imperium bewegt, detailliert darauf geachtet wird, wie, wann, was und wo etwas distribuiert wird und wann somit irgendetwas nach aussen dringt. Das ist nur bedingt richtig, denn über die wirklich wichtigen Kanäle wie twitter, facebook, soundcloud oder flickr hat Joel selbst die Kontrolle. Und dabei nimmt er kein Blatt vor den Mund und sagt stets das was seinem Hirn entspringt. Der Flickr-Account bspw. hat rein gar nichts mit deadmau5 zu tun – das sind lediglich die Arbeiten eines einfachen Hobbyfotografen namens Joel Zimmerman.
Aber dem Ganzen setzt er dann noch die Krone auf, und zwar mit einem regelmässigen Videostream aus seinem Studio, wo einerseits schon mal der ein oder andere Rant mehr als über das Ziel hinausschiesst, anderseits man dadurch auch einen sehr guten Eindruck von seinem Umfled und seinen Schaffensprozessen bekommt.
Und genau dadurch wirkt er einfach menschlich und vollkommen authentisch. Ich Könnte mir denken, sein Management war da nicht so begeistert von, aber was sollen sie tun? Sie sind schliesslich alle samt abhängig von Joel und seiner toten Mau5 und den damit verbundenen Erfolg des Produzenten und der Marke.
Um die latent erzürnten Gemüter wieder etwas zu beruhigen, erklärt sich Joel auch mal hin und wieder bereit deadmau5 ein bisschen Werbung machen zu lassen. Natürlich nur Produkte, von denen er selbst auch überzeugt ist z. B. für Sonus oder wofür sein Nerdherz höher schlägt wie bei der Smartphone Promo Liveshow von Nokia in der londoner Innenstadt.

Nun, wir haben also auf der einen Seite deadmau5 als Marke. Eine Marke mit einem Mau5kopf als Symbol/Markenzeichen/Logo/Aushängeschild, der eine gewissen Ähnlichkeit zu Micky Maus auf Extasy (ohne Wertung), nicht abstreiten kann, und der gerade zu prädestiniert ist für einen riesen Pool an Merchandise artikelnund einfach alles womit sich Geld verdiene lässt. Der Wiedererkennungswert ist enorm!
Und auf der anderen Seite, Joel. Einen genialen und talentierten Produzent bei dem manchmal nicht nur eine Schraube an der falschen Stelle zu sitzen scheint, ein DJ, ein absoluter Nerd in Punkto Technik und Musik, ein Hobbyfotograf und Katzenbesitzer, ein ehrlicher und direkter Mensch.

.. eine Gradwanderung zwischen Mensch und Mau5

Quelle: last.fm

Im Zusammenspiel alldessen, wird so ein Gesamtbild geschaffen. Ein Bild, welches nicht nur eine Mau5figur, eine Rolle oder ein Charakter auf der Bühne zeigt, sondern auch den Mensch der dieser Figur Leben einhaucht und aus dessen Feder diese stammt. Joel und deadmau5 sind so miteinander verschmolzen und genau das wird mit Hilfe des Brandings im Internet auch unterstrichen.

Eine besondere Herausforderung liegt natürlich darin, das Wichtigste, also den Ursprung bei dem ganzen Konzept nicht aus den Augen zu verlieren – die Musik!


„In the Box“ oder Was ist Web 2.o…?

Vorwort: Es ist nicht mein freier Wille darüber zu Schreiben und das zum Leitwesen aller auch noch zu veröffentlichen. Meine Dozentin (Prof. Dr. Ilona Buchem) hat das im Rahmen des o.g. Moduls (entspricht Blog-Kategorie) als durchzuführende Aufgabe gestellt. Dem werde ich im Folgenden auch nachkommen.

…nach Tim O’Reilly (und seinem Buch: Was ist Web 2.0? – Entwurfsmuster und Geschäftsmodelle für die nächste Software Generation):

Das Platzen der Dot-Com-Blase Ende 2001 läutete, zumindest nach der Auffassung von O’Reilly, wohl das Zeitalter des Web 2.0 ein. Erst einmal ins Leben gerufen, war nun oberste Priorität, das Schlagwort „Web 2.0“ von Grund auf zu definieren.

In dem 2004 veröffentlichten Buch spricht O’Reilly über (die nach seiner Auffassung geltenden) Grundprinzipien und -konzepte des Web 2.0.

Mal davon abgesehen, dass das Ganze auf den ersten Blick doch eher etwas skuril wirkt, da er immer mal wieder von Web-2.0-Firmen wie beispielsweise Overture Services oder yahoo spricht, die aber mittlerweile weitestgehend an Bedeutung verloren haben oder nicht mehr existieren bzw. geschluckt wurden, aber wie gesagt, die Begründung dafür liegt im Erstelldatum.
Unabhängig davon erörtert O’Reilly doch ein paar interessante Dinge. Die Beschreibung und Bedeutung der Blogosphäre  beispielsweise – mit Worten wie „wir, die Medien“ oder das „ehemalige Publikum“ [Dan Gillmor] spiegelt er genau die Punkte wieder, die das Internet, so wie wir es heute kennen, aus- und so wertvoll machen.
Nicht zuletzt waren aber auch die „neuen“ Webtechnologien, wie DOM, AJAX, CSS, Javascript, PHP, Python, SQL, Ruby erforderlich, um Dinge, die hinter Network as a Service, Software as a Service oder Cloudcomputing stecken, möglich zu machen – lose Kopplung und die damit verbundene einfache Implementierung von Modulen, die daraus resultierenden Möglichkeiten des Recombining bestehender Modulen. Interessanterweise fallen Worte wie Content Management System, WordPress oder Typo3 nicht ein einziges Mal.

Wie O’Reilly ebenfalls bemerkte, brachte das Web 2.0 nicht nur neue, technologische Lösungen mit sich, sondern verdrängte auch statische Konzepte und Produkte. Neue Kontexte erfordern eben auch neue Geschäftsmodelle wie beispielsweise Creative Commons oder Crowd Funding.

Schon 2004 prophezeite er das ausserordentliche Augenmerk auf Datenbanken und Datensammlungen. Und auch damals stellte er schon die Frage wem denn diese schier ins Unendliche wachsenden Datenberge wohle gehören würden. Das Web als grosser Marktplatz nicht nur für neue Ideen, sondern auch für Daten, viele Daten.

O’Reilly fiel aber schnell auf, dass er die Gewichtung etwas unrealistisch platzierte und veröffentlichte mit John Battelle 5 Jahre später ein White Paper unter dem Titel „Web Squared: Web 2.0 Five Years On„. In dem dann auch endlich Worte wie Twitter, Facebook oder auch YouTube fielen. Dann zum ersten Mal wurde auch das in der Vergangenheit eher rötlich konnotierte Wort Kollektiv ins Spiel gebracht. Die beiden Autoren legen nun ein deutliches Augenmerkt auf Social Media, kollektives Arbeiten und die damit verbundenen gemeinsamen, kreativen Schaffensprozesse im Internet.

…nach meiner Auffassung:

O’Reilly erwähnt in seinen Ausführungen ein Brainstorming, dass er und ein paar Gleichgesinnte wohl zu Beginn durchführten. In den von ihm aufgeführten Gegenüberstellungen fiel mir eines ins Auge: „Veröffentlichung    –>    Beteiligung“. Wobei ich beides nicht unbedingt einander gegenüberstellen würde, aber gut. Beteiligung… Das Wort habe ich schon irgendwann mal in meinem Kopf gesehen.

O’Reilly eruiert in seinen Ausführungen eine ganze Reihe von Punkten:

– das gemeinsame Arbeiten und Erschaffen („Schwarmintelligenz“, Communities)
– das Umdenken zu „Software as a Service“
– Dezentralisierung von Ressourcen
– Macht des Bloggens (neue Einträge abonnieren, netzartige Verlinkungen)
– Datenhunger
– technische Weiterentwicklungen und Anspruch auf Usability

Das sind in meinen Augen alles absolut richtige und auch wichtige Aspekte, aber muss es dafür immer gleich ein Schlagwort und eine Definition geben?

Was ich damit sagen möchte: nicht immer ist es von Bedeutung oder einfach nicht von Nöten etwas zu benamen, etwas eine Überschrift oder ein Bezeichnung zu geben. Es bedarf nicht immer gleich einer Kategorisierung. Warum? Um so Schubladen zu kreieren? Und was wird dann mit diesen Schubladen getan? DAS. Um so etwas Allgegenwertiges greifbar und erreichbar zu machen?

Es tut mir leid. DAAAHHHAS IIINTERNET *hall**grusel**greul**blitz* ist nichts, was auch nur im Entferntesten greifbar oder auch erfassbar wäre. Es ist auch kein Rubel rollendes Instrument für die Marketing-Fuzies und SEO-Gurus dieser Welt.

Das Fazit für Web 2.0: Netzwerk-Effekte durch Nutzerbeteiligung sind der Schlüssel zur Marktdominanz in der Web 2.0 ära.
[Seite 7/16; Was ist Web 2.0? – Entwurfsmuster und Geschäftsmodelle für die nächste Software Generation; by Tim O’Reilly, Deutsche Übersetzung Patrick Holz, Quelle: http://twozero.uni-koeln.de%5D

Wenn eines Googles Aufmerksamkeit erregt, dann sind das ein Haufen von Clicks und Links, die ohne das Zutun der Suchmaschine generiert wurden. Wie erreicht man das? Ganz einfach: ein Dienst, eine Plattform, was viele Menschen gerne nutzen und immer freudig drauf los Verlinkungen und Clicks generieren. Und volar…! Ich meine, warum sind denn Facebook-Einträge an erster Stelle, wenn man mit Hilfe von Google nach Personen sucht? Aber ich schweife ab… Ein cleverer Mensch (ich weiss nur nicht mehr wer. Über jegliche Hinweise und Links wäre ich dankbar) schrieb/sagte einmal: „Wir [die Menschen] sind das Produkt“ um das es bei Facebook geht. Das lässt sich auch super auf Google etc. ummünzen. Im Grossen und Ganzen geht es doch nur darum, in einem digitalen Schwanzvergleich, dem sich Google und Co. immer wieder bereitwillig stellen, darum zu wetteifern wer die grössten und dicksten Datenbanken hat.

Was zu Beginn harmlos wirkte, hat sich zu einem gebündelten Machtpotenzial entwickelt – frei nach dem Motto: „Die ich rief, die Geister,…„. Aus diesem Grund ist im Leben immer, egal ob ich Jemandem gegenübersitze oder seinen Tweet lese, eine gesunde Skepsis angebracht.

Das Netz ist keine eigene und autarke Welt – die virtuelle Realität. Es ist ein Teil unseres Lebens – unserer realen Welt. Und die Ära, die manche als Web 2.0 bezeichnen, hat uns nur die Möglichkeiten gegeben und uns gezeigt wie bedeutsam und machtvoll dieser Teil unserer Realität doch ist.

<sarkasmus>Und das „Web 3.0“ wird dann wohl über das gemeinsame Ändern und Erweitern von Inhalten auf Wikipedia, Amazon und Youtube weit hinaus gehen? Vielleicht kann man ja dann mit Hilfe dieses Internets sogar Versuchen aktiv das reale Leben zu beeinflussen, zu gestalten und damit verbessern.</sarkasmus>

(Funfact: dass die Menschheit erst über den Umweg des Internets auf die Idee kommt: „Hey, lasst uns doch alle gemeinsam überlegen und daran Arbeiten wie wir unser Zusammenleben und die ganze Welt für alle besser machen können“, ist schon ein bisschen Darwin)

PS: Dass (nach meiner Meinung) Twitter die Nachfolge von RSS angetreten hat, wurde Mr. O’Reilly aber auch noch nicht gesagt, oder?